Untersuchung gestartet: Sind Biberdämme Hindernisse für Wanderfischarten?

Unser Verein hat mit den Studenten der Hochschule Neubrandenburg ein Projekt gestartet. Seit Herbst 2021 untersuchen wir den Einfluss des Bibers und seiner Bauten auf die Durchlässigkeit von norddeutschen Kleinstfließgewässern.

Biber waren durch direkte Verfolgung im 19. Jahrhundert in Europa und Deutschland nahezu ausgerottet worden. In Norddeutschland konnte er durch verschiedene Maßnahmen seit den 70er wieder angesiedelt werden. Gegenwärtige leben in Deutschland etwa 6.000 Tiere. „In Mecklenburg-Vorpommern weist die Art gegenwärtig eine Bestandszunahme und Arealausdehnung auf. Auf der Grundlage konkreter Beobachtungen an der Wildpopulation und einer darauf basierenden Hochrechnung wird die Populationsgröße in Mecklenburg-Vorpommern derzeit auf etwa 1.200 Tiere geschätzt.“ Mehr dazu in dieser Untersuchung

Der wachsende Bestand von Bibern baut natürlich auch mehr Dämme an einer zunehmenden Zahl von Fließgewässern. Stellen die Bauwerke dieses geschützten Nagetiers Hindernisse für Wanderfischarten dar? Unser Verein hat gemeinsam mit Studenten der Hochschule Neubrandenburg ein Projekt gestartet, um diese Frage zu untersuchen. Es wird unterstützt durch die Norddeutsche Umweltstiftung (Bingo Umweltlotterie) und läuft über einen Zeitraum von drei Jahren.

Als Beispiel wurde eine rund 10 Kilometern lange Strecke des kleinen Fließgewässers Linde zwischen Neubrandenburg und Burg Stargard ausgewählt. Dort werden die Effekte von Biberdämmen auf die Laichwanderung von Bach- und Meerforellen als schwimmstärkste Fischarten in einer definierten Gewässerstrecke dokumentiert. Die Ergebnisse zeigen dann exemplarisch die Barrierewirkung von Biberdämmen in kleineren Tieflandbächen. Dazu werden jeweils von November bis Januar im gesamten Bereich alle Biberdämme inspiziert und in vier verschiedene Kategorien eingeordnet. Einige Parameter werden sowohl vor und hinter dem Damm (in 150, 50 und 5 Metern Entfernung) und direkt am Biberdamm erfasst. Dazu gehören z. B. der ph-Wert, Fließgeschwindigkeit, Temperatur und verschiedene Höhen und Tiefen.

Fleißarbeit bringt erste Ergebnisse

Im genannten Zeitraum vermessen Projektmitarbeiter die Biberdämme und ihre Umgebung wöchentlich anhand der festgelegten Parameter. Zudem werden mehrfach die Laichbetten der Salmoniden auf der gesamten Strecke erfasst, kartiert und im Anschluss zu allen anderen Ergebnissen in Bezug gesetzt. Die Entscheidung, ob Bachforelle oder Meerforelle, wird aufgrund der Größe des Laichbettes getroffen. Dazu gibt es in unserem Verein seit über 12 Jahren einen großen Erfahrungsschatz, erworben bei der Laichkartierung der Meerforelle. Den können wir hier natürlich sehr gut einbringen.

Im ersten Untersuchungsabschnitt zeigte sich, dass Biberdämme ab einer bestimmten Größe und in Bezug auf den Standort einen Einfluss auf die ökologische Durchgängigkeit unserer Fließgewässer haben. Im Herbst 2021 zeigten die ermittelten Daten, dass ein Biberdamm ein unüberwindbares Hindernis darstellt. Es gab nur noch ein einziges vermutetes Laichbett einer Meerforelle oberhalb des als Hindernis ausgemachten Biberdammes im Untersuchungsgebiet, das leider auf Grund der starken Niederschläge im Januar nicht genau vermessen und kategorisiert werden konnte.

Wie geht es weiter?

Die neue Untersuchungsperiode 2022 / 23 hat bereits begonnen, allerdings unter anderen Voraussetzungen. Die Wasserabflüsse waren im November 2022 wesentlich geringer als im November 2021. Im Ergebnis sollen die Biberdämme erneut aufgrund der gewonnenen Daten in bestimmte Kategorien eingeordnet werden können.

Was folgt daraus? Vielleicht wird man wieder über regelmäßige Besatzmaßnahmen an diesen Gewässern nachdenken müssen. Allerdings würden solche Maßnahmen nicht das ursprünglich gewachsene Gleichgewicht unserer Kulturlandschaft wieder herstellen. Nach wie vor sind leider einige Naturschutzmaßnahmen einseitig ausgerichtet, hier auf Säugetiere wie den Biber. Sie berücksichtigen nicht die Belange aller am und unter Wasser lebenden Arten.

 

 

Arbeitseinsatz für neue Schilder 

Die naturbelassene Fließstrecke der Warnow zwischen Karnin und Zaschendorf ist ein Juwel unter den Salmonidengewässern Mecklenburg-Vorpommerns. Betreut wird sie durch unseren Verein Salmoniden- und Gewässerschutz MV e.V. In den letzten zwei Jahren konnten wir einige notwendige Arbeiten nicht erledigen, weil die Corona-Verordnung Einsätze im Team nicht zuließ.  

 

Am 26.03.2022 durften wir uns endlich wieder treffen, um einen großen Teil der Strecke begehen. Dabei wurde die Beschilderung überprüft und teilweise erneuert. Die (übrigens nur sehr schwer zugänglich) Salmonidenstrecke ist jetzt für jeden Angler als solche wieder deutlich erkennbar, ebenso unser Verein als der betreuende Verein. Hier darf ohne spezielle Salmonidenerlaubnis nicht geangelt werden! 

 

Bei dieser Gelegenheit haben wir auch zwei neutrale LAV-Pacht-Schilder neben der Warnowbrücke bei Zaschendorf angebracht, wo Kanuten ihre Boote einsetzen oft Angler parken. Ihnen sollte nun ganz klar sein, wo sie eine Angelerlaubnis erhalten können und wer der Inhaber der Fischereirechte ist. 

 

Hoffentlich weiß (und beherzigt) auch jeder Angler, was die roten Verbotsschilder bedeuten, welche die etwa einhundert Meter lange Sohlgleite westlich der Brücke schützen. Dort haben wir neue Schilder angebracht, um die Bereiche für gemischtes Angeln abzugrenzen. Auch die Flugangelstrecke, die hinter der Fischtreppe in Karnin beginnt, wurde mit F-Schildern wieder als solche kenntlich gemacht. Die nahe gelegene Warnow zwischen Gädebehn und dem Anfang der Salmonidenstrecke in Crivitz wird übrigens noch im Nachgang beschildert. 

 

Und auch der östlich von Greifswald gelegene Hanshagener Bach war Ziel des Arbeitseinsatzes unseres Vereins. Er wurde durch den LAV neu angepachtet und ist nun erstmals beschildert worden. Beangelbar ist dieser Bach ab Hanshagen bis zur Mündung in die Ziese. Alle Schilder wurden mit GPS eingemessen und erscheinen bald im Gewässerverzeichnis des LAV, also hier: https://www.lav-mv.de/gewaesservz  

 

Gemeinsam haben wir den Arbeitseinsatz mit spontanen Grillaktionen beendet. Bei leckerem Essen konnten wir uns endlich mal wieder austauschen, wo in den letzten zwei Jahren mit Erfolg geangelt wurde. 

 

 

 

 

28.01.2022 Straßenbrückenbaumaßnahme Weitendorf inmitten eines Laichgebiets 

Wir möchten aus gegebenem Anlass und einem aktuellen Beispiel zeigen wie sich eine Zusammenarbeit zwischen Straßenbauamt Schwerin, LAV und unserem Verein gestaltet. Am 19.02.2020 beteiligte uns das Straßenbauamt Schwerin an  der Vorbereitung eines Brückenneubaus. Direkt in Weitendorf sollte eine völlig neue Warnowbrücke entstehen. Mit wirklich allem was dazugehört, so sollte beispielsweise südlich eine Behelfsbrücke für die über einjährige Bauzeit errichtet werden. Sofort schrillten alle Alarmglocken, denn wer diesen Bereich kennt weiß, dass an dieser Stelle ein großer Gefällesprung existiert. Auf circa 200 Metern rauscht das Wasser hier abwärts. Nur hier existiert ein außerordentlich wichtiges Laichgebiet für Meerforellen und andere seltene Fischarten. Wir verschafften uns durch Vereinsmitglieder einen aktuellen Überblick. Der LAV und der Verein Salmoniden und Gewässerschutz MV e.V. sendeten eine gemeinsame Stellungnahme zum Straßenbauamt Schwerin. Wenige Tage später klingelt das Telefon in der Geschäftsstelle des LAV, um einen gemeinsamen Termin, mit dem LAV und unserem Verein zu vereinbaren. Beim Treffen mit dem Straßenbauamt wurde schnell klar, wie intensiv diese Baumaßnahme inmitten des sensiblen Laichhabitat wirken wird. Es wurden alle aktuell bekannten Schutzmaßnahmen besprochen und vereinbart. Anlässlich der Bauanlaufberatung sind diese Maßnahmen nochmal beraten worden. Wir wurden während der Baustellenbesuche Zeugen, dass beim Abriss der alten und dem Neubau der neuen Straßenbrücke alle Zusagen eingehalten wurden. 

Gewaltige Laichgruben 

Am 17.12.2021 fand nun die Bauabnahme der neuen Straßenbrücke in Weitendorf statt. Sie strahlte regelrecht, denn neben neuen sicherheitstechnischen Ausstattungen, können jetzt beispielsweise Fußgänger, Radfahrer und natürlich Autofahrer diese Brücke gleichzeitig nutzen. Auch im Wasser konnten wir gemeinsam fast überall Gutes feststellen, denn laichende Meerforellen konnten wir inmitten ihrer gewaltigen Laichgruben beobachten. Einige Gruben maßen 3 Meter im Durchmesser waren fast 1 Meter tief. Insgesamt 8 dieser imposanten Laichgruben konnten an jenem Tag kartiert werden. 

Straßenbauamt hilft Meerforellen

Am östlichen Warnowzufluss war jedoch, im Gegensatz zu den anderen Jahren, keine einzige Grube auszumachen. Denn beim Abriss der Behelfsbrücke ist höchstwahrscheinlich das so bedeutsame Kiessubstrat entfernt worden. Da auch genau in diesem Bereich seit Jahren das Laichgeschäft der Meerforellen von unseren Vereinsmitgliedern kartiert wird, wurde uns schnelle Hilfe vom Straßenbauamt Schwerin zugesagt. Nach kurzer Absprache wurde vereinbart, dass am 25. Januar mehrere Tonnen geeigneten Kiessubstrates wieder in diesem Zufluss eingebaut werden. Wir können resümieren, dass auch diese Maßnahme dazu beigetragen hat unsere Gewässer durch Angler zu schützen, zu erhalten und weiterzuentwickeln. Herzlichen Dank an alle Beteiligten beim Schutz bzw. der Wiederherstellung der wenigen wertvollen Kieslaichhabitate.